Krisenbanken drucken sich ihr eigenes Geld

Quelle: Welt Online

http://www.welt.de/wirtschaft/article13889374/Krisenbanken-drucken-sich-ihr-eigenes-Geld.html

In Südeuropa boomen Anleihen, die sich bei der EZB in günstige Kredite eintauschen lassen. Das Volumen beträgt bereits mehr als 260 Milliarden Euro.

Banken aus den Krisenstaaten der Euro-Zone drucken in großem Stil eigene Wertpapiere, die sie direkt bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Geld machen können.

Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt
Foto: picture-alliance/ dpa                                            Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt: Heikle Wertpapiere sind im Umlauf

Dabei handelt es sich um staatlich garantierte Bankanleihen, die als Sicherheiten für Kredite der EZB dienen können. Vor allem italienische Banken haben nach Recherchen von „Welt Online“ eine Offensive gestartet und seit Jahresbeginn solche Papiere in einem Volumen von knapp 30 Milliarden Euro herausgegeben.

            Die Risiken der Geldvermehrung

Geldentwertung und damit steigendes Preisniveau für Konsum- und Investitionsgüter.

Rückgang des aktuellen Preisniveaus. Das klingt gut, bremst aber das Wachstum.   Denn Konsum wird in die Zukunft verschoben.

Zusammentreffen von Wachstumspause: (Stagnation) und Kaufkraftverlust   (Inflation).

Damit ist der Gesamtbestand dieser Anleihen in den Krisenländern Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Irland auf 263 Milliarden Euro gestiegen. Anfang Januar lag das Volumen noch bei 209 Milliarden Euro. Ein großer Teil dieser Anleihen dürfte als Sicherheit bei der EZB gelandet sein oder noch landen – genaue Angaben macht die Notenbank dazu nicht.

Kreditsicherheiten, die von der Zentralbank akzeptiert werden, sind für die Banken zu einem wertvollen Gut geworden. Denn schon seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 leiht die EZB den Kreditinstituten unbegrenzt Geld. Einzige Bedingung: Die Banken müssen „ausreichende Sicherheiten“ für diese Kredite bieten können.

Für die EZB sind die Wertpapiere heikel

 

Die Anforderungen für Wertpapiere, die bei der Notenbank verpfändet werden können, wurden in den letzten Jahren immer weiter gelockert. Dennoch sind bei manchen angeschlagenen Banken, die praktisch nur noch von der Zentralbank Geld bekommen, die Sicherheiten Branchengerüchten zufolge knapp. Die staatlich garantierten Bankanleihen bieten da eine willkommene Alternative.

Für die EZB sind diese Wertpapiere allerdings heikel, weil dadurch das Prinzip der Kreditbesicherung ausgehebelt werden kann. Eigentlich müssen die Banken gerade deshalb Sicherheiten bieten, damit die Zentralbank selbst dann an ihr Geld kommt, wenn eine Bank Pleite gehen sollte. Bei den staatlich garantierten Anleihen besteht diese Sicherheit jedoch nur in der Bürgschaft des jeweiligen Heimatlands, das möglicherweise selbst angeschlagen ist.

 

Teuerung im Januar 2012 im Vergleich zum Vorjahr

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke:  +3 Prozent

Molkereiprodukte und Eier: +4,1 Prozent

Alkoholische Getränke und Tabakwaren: +2,7 Prozent

Bekleidung und Schuhe: +2,5 Prozent

Wohnung, Wasser, Strom und Gas: +2,9 Prozent

darunter Haushaltsenergie: +7,7 Prozent

Einrichtung und Haushaltsgeräte: +0,7 Prozent

Gesundheitspflege: +1,7 Prozent

Verkehr: +3,4 Prozent

darunter Kraftstoffe: +6,4 Prozent

Nachrichtenübermittlung: -2 Prozent

Freizeit, Unterhaltung, etc.: +1,1 Prozent

Bildungswesen: -12,2 Prozent

Beherbergung und Gaststätten: +1,8 Prozent

Andere Waren und Dienstleistungen: +1,4 Prozent

Quelle: Statistisches Bundesamt, dapd

Sollte etwa Griechenland doch noch in eine Staatspleite rutschen, wären auch die meisten Banken des Landes insolvent – dann wäre auch die Staatsbürgschaft nichts mehr wert und die EZB bliebe auf ihrem Geld sitzen. Deshalb erhöht sich das Risiko der übrigen Euro-Staaten gegenüber den Krisenländern, wenn garantierte Bankanleihen aus diesen Ländern bei der EZB eingereicht werden.

Die Zentralbank hat nach eigenen Angaben dem zügellosen Einreichen dieser Papiere gewisse Grenzen gesetzt, nennt dazu aber keine Details. Dass die Anleihen immer noch einen Wert als EZB-Sicherheiten haben, zeigt der Zeitpunkt der Emissionen. So führte Italien das Instrument erst Ende 2011 ein – kurz bevor die EZB den Banken im Dezember erstmals 490 Milliarden Euro für den ungewöhnlichen Zeitraum von drei Jahren zur Verfügung stellte.

Spitzenreiter sind die spanischen Banken

 

Am Mittwoch steht nun der zweite Dreijahrestender an, die Schätzungen für das Volumen reichen von 200 Milliarden bis zu einer Billion Euro. In der Branche geht man davon aus, dass die Welle neuer Emissionen staatlich garantierter Anleihen damit zusammenhängt.

In manchen südeuropäischen Ländern macht dem Vernehmen nach die Politik den Banken Druck, reichlich Zentralbankgeld aufzunehmen und damit wiederum Staatsanleihen des Heimatlandes zu kaufen.

Für die Banken ist dies ein gutes Geschäft, weil sie für die Milliarden der EZB nur ein Prozent Zinsen zahlen müssen, Staatsanleihen der Krisenstaaten jedoch deutlich höher verzinst werden. Kritiker sprechen von einem großen Umverteilungsprogramm zugunsten der südeuropäischen Banken.

Spitzenreiter sind die spanischen Banken: Dort bürgt der Staat nach Berechnungen von „Welt Online“ für fast 84 Milliarden Euro. Allein seit Jahresbeginn wurden Anleihen über knapp 22 Milliarden Euro aufgelegt. Die spanischen Kreditinstitute dürften auch zu den wichtigsten Abnehmern für das billige EZB-Geld gehören. Die Großbank BBVA hat bereits angekündigt, sich diese Woche bei der Notenbank großzügig bedienen zu wollen.

Griechenland bürgt für Anleihen im Wert von 58 Milliarden

 

„Wir werden nicht rot, wenn wir zugeben, dass wir uns beim ersten Tender elf Milliarden Euro geholt haben“, sagte Bankchef Francisco Gonzalez der Zeitung „El Pais“. Bei italienischen Banken beläuft sich der Bestand an staatlich garantierten Anleihen derzeit auf 73,5 Milliarden Euro. Das schwer angeschlagene Griechenland bürgt für Bankpapiere in einem Volumen von 58 Milliarden Euro.

Video

Aufschwung Mitte des Jahres erwartet

Seit Jahresbeginn wurden dort neue Papiere über sieben Milliarden Euro aufgelegt. Aus Irland sind Anleihen über fast 28 Milliarden Euro auf dem Markt, im Falle Portugals sind es immer noch knapp 20 Milliarden Euro.

Die großzügige Bankenfinanzierung der EZB wird indes von immer mehr Ökonomen kritisch gesehen. „Damit wird derzeit vor allem der Bankenapparat subventioniert“, sagte Torsten Polleit, Chefvolkswirt Deutschland bei Barclays Capital, der „Welt am Sonntag“. „Dadurch werden unprofitable Banken, die besser aus dem Markt ausscheiden sollten, künstlich am Leben gehalten.“

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