Auf ewig sollst du Ali heißen!

Quelle: der Honigmann sagt…

http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2012/05/11/auf-ewig-sollst-du-ali-heisen/

11. Mai 2012 von honigmann

Richter verbieten Einwanderern, deutsche Namen anzunehmen. Dieses Urteil ist ein Schlag gegen die Integration. Die ausgrenzende Namenspolitik des Kaiserreichs scheint sich zu wiederholen. Von Matthias Heine

Klingelschild

Moses Dobruška aus Mähren mochte nicht länger in einer Parallelgesellschaft leben. Er wollte in der österreichisch-kaiserlichen Mehrheitsgesellschaft Erfolg haben und dafür legte er sich einen neuen Namen zu: 1773 trat er vom Judentum zum katholischen Glauben über und nahm den Namen Franz Thomas Schönfeld an. © info@helga-lade.de Der Name als Schublade: Wo Müller draufsteht, soll auch künftig kein Migrant drin sein

Unter diesem wurde er als Heereslieferant so erfolgreich, dass er 1778 sogar in Wien geadelt wurde. Fort an hieß er Franz Thomas Edler von Schönfeld. Das hielt ihn aber nicht davon ab, noch einmal die Gesinnung und das Land zu wechseln – und damit auch den Namen: Er wurde Jakobiner, ging nach Frankreich und gab sich den programmatischen Namen Junius Frey.

In gewisser Hinsicht hatte er auch damit Erfolg: Robespierre ließ ihn 1794 köpfen – ein ausgesprochenes Mehrheitsschicksal.

Solche Namenswechsel, die im Österreich des 18. Jahrhunderts offenbar ganz einfach waren, sind hier und heute weiterhin nicht erlaubt. Ein neues Gerichtsurteil spricht da eine klare Sprache: Deutsche Namen gibt es nur für Deutsche.

“Herabsetzungen nicht auszuschließen”

Ausländer und ihre Nachfahren sollen bitteschön an ihren Namen erkennbar bleiben. Das ist die Botschaft einer Entscheidung des Göttinger Verwaltungsgerichts, das einer als Asylbewerber anerkannten Familie aus Aserbaidschan verbietet, sich neue Namen zuzulegen. Die Eltern und ihre drei Kinder wollten deutsche Vor- und Nachnamen annehmen, um möglichen Diskriminierungen zu entgehen und die Zuordnung zu einer bestimmten Volksgruppe oder Religion zu vermeiden.

Das Gericht räumte ein, zwar seien Herabsetzungen wegen des ausländischen Namens nicht auszuschließen. Es sei aber nicht Aufgabe des Namensrechts, einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung entgegenzusteuern.

Die Begründung klingt nicht nur hohl, weil eine der Hauptursachen für erlaubte Namensänderungen gesellschaftliche Fehlentwicklungen sind: Man kann seinen Namen ändern, wenn er Schreibern auf Ämtern oder im Beruf allzu große Schwierigkeiten bereitet, weil es offenbar Beamten und Personalchefs heute nicht mehr zuzumuten ist, sich Namen buchstabieren zu lassen.

Und man kann beispielsweise als Träger der Familiennamen Hitler und Goebbels diese relativ leicht ablegen, weil sie auf ewig mit einigen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen verbunden werden, die es im Deutschland der Dreißigerjahre gegeben hat.

Die Rassengesetze der Nazis

Wahrhaft empörend ist die jetzt bekannt gewordene Urteilsbegründung (Az. 4 A 18/11) des Göttinger Verwaltungsgerichts, weil der Fall fatal an die Namenspolitik im 19. Jahrhundert erinnert. Wie Dietz Bering in seiner Monographie „Der Name als Stigma“ beschreibt, wollten damals oft Juden oder ehemalige Juden, die zum christlichen Glauben konvertiert waren, ihre allzu jüdisch klingenden Namen ablegen, weil sie diskriminiert wurden.

Ämter und Gerichte verweigerten ihnen dies mit der kaum verhüllten Begründung, es grenze wohl an Hochstapelei, wenn ein Jude versuche, sich einen reindeutschen Namen zu erschleichen. Denjenigen, denen es trotzdem irgendwie gelungen war, zwangen bekanntlich die Nazis mit ihren Rassengesetzen die Vornamen Israel oder Sarah auf, die sie endlich wieder klar erkennbar als Juden brandmarken sollten.

Ganz anders war von Anfang an die Namenspolitik in Frankreich: Nachdem dort die Juden 1791 volle Bürgerrechte erlangt hatten, verlangte Napoleon, sie müssten sich ganz normale französische Allerweltsnamen zulegen. Die Juden, so der Kaiser, sollten eben gerade keine Nation innerhalb der Nation bilden.

Die ausgrenzende Namenspolitik des deutschen Kaiserreichs scheint sich in dem Göttinger Urteil zu wiederholen. Und es offenbart eine selbst nach den Maßstäben deutscher Gerichte erstaunliche Realitätsblindheit. Denn durch nichts könnte ein außerhalb des Staatsgebiets der Bundesrepublik geborener Neu-Deutscher seinen Integrationswillen deutlicher bekennen als durch die Bereitschaft zum Namenswechsel.

Wenn Kinder Jihad heißen

Weil es an jenem Willen so oft fehlt, kann von einem Massenansturm eingewanderter Bürger auf deutsche Vor- und Nachnamen keine Rede sein.

Im Gegenteil: Das Scheitern der deutschen Integrationspolitik offenbart sich doch gerade darin, dass türkischstämmige Familien ihren Kindern hierzulande in der dritten Generation meist immer noch Namen aus der alten Heimat geben. Oder dass sie dem Nachwuchs gerne einen traditionellen religiösen Imperativ mit in die Wiege legen: Der beliebte Vorname Jihad entspricht in diesem Punkt den hierzulande aus der Mode gekommenen pietistischen Prägungen wie Fürchtegott oder Leberecht.

Man kann sich über Namensmoden lustig machen, aber erst wenn muslimische Migranten ihre Kinder genauso oft Lea-Sophie oder Kevin nennen wie der bio-deutsche Mainstream sind sie wirklich in diesem Land angekommen.

Dass kleine Kevins aufgrund sozialer Vorurteile genauso oft diskriminiert werden wie kleine Mohammeds aufgrund ethnischer Befangenheiten, steht auf einem ganz anderen Blatt.

[….]
.
….danke an P.H.
.
Gruß
Der Honigmann
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