Wahl in NRW – Medienjauche am Vorabend des Weltkrieges

Quelle: Der Nachrichtenspiegel

http://www.nachrichtenspiegel.de/2012/05/14/wahl-in-nrw-medienjauche-am-vorabend-des-weltkrieges/?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+NachrichtenspiegelOnline+%28Der+Nachrichtenspiegel%29

Von ⋅ 14. Mai 2012

Montag, 14.5.2012. Eifel. Wir haben gewählt. Ja, ich auch. Wie ich den Medien entnehme, habe ich richtig gewählt – es gab kaum Wählerschelte. Man spricht auch kaum über die enorm niedrige Wahlbeteiligung. Kein Wunder: alle wollen feiern. Sie feiern, das sie diesmal von noch weniger Menschen als zuvor gewählt worden sind. Nun gut, die Piratenpartei feiert wohl zurecht – weil sie wahrscheinlich wieder Nichtwähler motiviert hat. Eine Partei, die das schafft, verdient gewählt zu werden … aber in die wirklich wichtigen Kreise der Macht kommen sie auch so nicht – aus gewichtigem Grund, siehe Handelsblatt:

Johannes Ponader, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei, trieb es doch etwas zu weit: Mit alter Strickjacke und nackten Füßen kam Ponader zu der Polit-Talkshow von Günther Jauch. Was Moderator Jauch jedoch noch mehr irritierte: Während der Diskussion spielte der Pirat mit seinem Smartphone und surfte bei Twitter.

Das geht ja nun mal gar nicht. Wenn der Multimillionär Günter Jauch empfängt, dann hat man sich an den Dresscode zu halten. Wie der aussieht, kann einem der zuständige Lobbyist für Nobelgarn detalliert beschreiben … wenn man ihn nur fragen würde.

Die Piraten sind ja auch “esoterisch“.  Das ist auch gut so. Esoterik wird jetzt ordentliches Studienfach. Ich denke, die Piratenpartei hat aufgrund ihrer Nähe zur EDV eher Verständnis dafür, das ein Computer neben Hardware auch Software hat – und das ein Computer ohne Betriebssystem irgendwie sinnlos ist, auch wenn er noch so viel Leistung bringt. Dieses Betriebssystem funktioniert aber anders, als die Wirtschaft es uns erzählen will. Hier wird Glück zum Luxusgut, das viele sich gar nicht leisten können, weil sie zu wenig Waren haben. Das Mönche aller Religionen Armut gezielt suchen und viele auf diesem Wege sehr glücklich werden, wird großzügig verdrängt: Glück und Wirtschaftswachstum sind unverträgliche Güter. Es gliche auch einer Katastrophe, wenn beglückende Nahtodeserfahrungen die Existenz eines Paradieses im Jenseits beweisen würden, zu dem Reiche nur beschränkten Zutritt haben.

Klartext redet ein Autor, den die Welt in ihrer “freien Welt”  schreiben lässt:

Wer an Bohlens Maxime geglaubt hatte, nach der hierzulande nur etwas werden könne, wer unnachgiebig gegen sich selbst an der Optimierung seiner Kompetenz arbeite, wird eines Besseren belehrt. Mit der Piratenpartei strömen jetzt Scharen selbstzufriedener Dilettanten in die deutschen Parlamente ein, die nicht genau wissen, was sie eigentlich wollen, außer überall mitzureden. Ein hochbegabter, aber abgebrochener Akademiker, der sich “Gesellschaftskünstler” nennt, über weite Strecken aber entspannt von der Stütze lebt, ist jüngst zum Bundesgeschäftsführer dieser neuen politischen Zukunftskraft avanciert. Zur Primetime bei Günther Jauch durfte er dem TV-Publikum demonstrieren, dass man dazu von kaum etwas eine Ahnung haben muss, außer vom Twittern. Finger und Augen während des Gesprächs unablässig am Smartphone, ließ er sich so als Wunderwesen der neuen digitalen Politgeneration bestaunen.

Es geht primär um einen Kulturwechsel in Deutschland, der Angst macht. Was soll aus diesem Land werden, wenn der Multimillionär Bohlen ihm nicht mehr als Zuchtmeister zur Seite steht? Wir brauchen das, wir Deutschen: ohne Peitsche im Nacken sind wir zu nichts zu gebrauchen – vor allem unsere Frauen. Hören wir dazu Frau Roche, die aktuell ganz vorne in der Front gegen die Piraten steht:

“Frau Schwarzer möchte Sadomaso-Sex verbieten. Frauen sind aber total masochistisch, das wird auch sie nicht mehr ändern können. Ich habe keine Lust, Frau Schwarzer um Erlaubnis zu fragen, bevor ich im Bett richtig loslege.“

Das jetzt diese selbstzufriedenen Dilettanten gewählt werden, die “entspannt” von Stütze leben können, zerstört einen ganzen sadomasochistischen Gesellschaftskult, in dem Männer hart an sich arbeiten, um es Frauen so richtig zeigen zu können.  Das macht zwar nicht glücklich – aber glückliche Menschen schreiben ja auch keine Bücher und werden somit nicht Millionär.

Darf man den Verdacht äußern, das das miserable Wohlstands-Glücksverhältnis in  Deutschland vielleicht ein wenig mit dieser Sadomaso-Philosophie zusammenhängt?

Multimillionär Jauch schreitet dann logischerweise auch sofort ein und greift hart durch. “Jetzt ist Schluss mit dem Kindergarten” – jenseits des Wählerwillens lädt man die eigentlichen Sieger der Wahl in NRW gar nicht mehr ein. Wenn Stützeempfänger entspannt mit buddhistischen Lächeln öffentlich gegen den Kleiderkodex der Wirtschaft verstossen, ist für die Medienjauche in Deutschland das Maß endgültig voll.

Immerhin hat man jahrelang daran gearbeitet, das Parlament medial zu entmachten und Ersatzparlamente zu etablierern, in denen Multimillionäre den Ton angeben und dem Bürger vormachen, wie gelebt werden soll … und wie nicht.

“Gute Kontakte zur Wirtschaft” sind auf jeden Fall immer lobenswert. Das man schon durch seine Kleidung das Zeichen setzt, ein gehorsamer Gefolgsmann einer systemvernichtenden Kultur zu sein, ebenfalls.

Natürlich war die Wahl in NRW trotz Erfolg eine Schlappe für die Piratenpartei. Anstatt 12 – 13 % gab es nur 7,8. Das ist halt der Preis, den man dafür zahlen muss, das man ganz schnell “wie die anderen” sein will, siehe Spiegel:

Paul und Marsching gelten als Realo-Piraten, im Wahlkampf stellten sie mehrfach das streng basisdemokratische Ideal und absolute Transparenz-Gebot der Freibeuter in Frage.

Das wird die Wirtschaft freuen. Die sind schneller gekauft, als man gucken kann, eine weitere Chance zur Kursänderung ist vertan und durch die Medienjauche vernichtet.

Immerhin: am Rande erfahren wir noch ein wenig von dem, was um uns herum vor sich geht – und das nicht nur Opel die Schließung droht.

Sind wir “Freunde der Mittelklasse” nicht alle darin verstrickt, fragte Heinz Bude, und mit unseren Rentenansprüchen, Vermögenswerten, Zukunftsinvestitionen am Funktionieren der Finanzmärkte interessiert? – “Sie werden in den nächsten zehn Jahren von Herrn Draghi enteignet werden”, erwiderte Streeck.

So der Soziologe Wolfgang Streeck über die Folgen der Aktionen der “Goldmänner” von Goldman-Sachs in Politik und Wirtschaft, hier zitiert aus der Süddeutschen.

Diese “Goldmänner” erwägen gerade in aller Öffentlichkeit aus Italien eine Militärdiktatur zu machen – hierzu reichen schon ein paar kleine nahezu folgenlose Anschläge mit unklarem Hintergrund aus: das Muster “nine-eleven” funktioniert halt immer und überall.

Währenddessen droht China den Philippinen unverholen mit Krieg. Nachdem erst kürzlich chinesisch-russische Manöver philippinisch-amerikanische Manöver erfolgreich gekontert haben, ist die Kriegsgefahr damit nochmal drastisch gestiegen – eine Gefahr, die uns in Deutschland direkt betrifft, weil auch hier Nato und SOZ aufeinandertreffen … aber von letzteren (auch schon mal als “antiamerikanische Verschwörung” verteufelt) erfahren wir hier in Deutschland nur wenig.

Dafür erfahren wir viel über sockenlose Piraten … dabei sind andere Weltkriege schon aus geringeren Gründen vom Zaun gebrochen worden: die Ermordung eines Kronprinzen dürfte weniger wiegen als ein Krieg zwischen zwei Mitgliedern zweier weltweiter Machtblöcke.

Vielleicht ist diese Medienjauche auch der zentrale Grund für unsere Unzufriedenheit. Unser Multimillionäre blenden nur allzugern Realitäten aus, die ihren Traum vom Paradies auf Erden mit Luxusheim, Nobellimousine und feinstem Stoff für die Businessuniform in Gefahr bringen … würde man sich diesen Realitäten stellen, müsste man sich selbst eingestehen, das man etwas ändern muss.

Wir Normalbürger können diese Realitäten aber nicht ausblenden. Von uns kann sich auch kaum noch einer das korrekte Businessoutfit der Luxusklasse leisten, das sich unsere Volksvertreter auf unsere Kosten so demonstrativ gönnen und in das sich wohl bald auch führende Piraten kleiden werden, damit jeder weiß, wohin sie wirklich gehören.

Uns bleibt wohl bald nur noch der “nationale Kaufnixtag” am 4.Juli 2012 als effektiv wirksames Instrument zur Meinungsäußerung – jener Tag, an dem der Jauch dumm aus der Wäsche guckt, weil er keinen Zuschauer hat – oder die Wirtschaft stottert, weil die Kassen mal einen Tag lang nicht klingeln.

In Italien ist der sehr erfolgreich.

Dort heißt er aber auch der “Leck-mich-am-Arsch-Tag”.

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