Bald sind wir alle arbeitslos. Und ihr habt Langeweile.

Quelle: Thomas Manegold

http://manegold.wordpress.com/2012/06/25/bald-sind-wir-arbeitslos-und-ihr-habt-langeweile/?year=2012&monthnum=06&day=25&like=1&_wpnonce=3b8707ae4d&wpl_rand=c6cb67e085

by | 25. Juni 2012 · 14:38          

„Die Welt wird zu Recht erbost sein über diese Unmenschlichkeit, und ein Hass wird brennen, der niemals gelöscht werden kann. Wie lange wird diese Herrschaft des Terrors noch weitergehen?” – Friedrich Kellner

The roof is on fire!  – We don´t need no water, let the motherfucker burn” Bloodhoundgang (Bitte das Zitat nicht laut singen.)

Na, ihr Revoluzzer? Wie war die Demo? Mal wieder ordentlich empört?

2013 beginnt ein neues Zeitalter. Das Zeitalter, in dem wir mehr GEMA zahlen werden, als Saal-Miete, falls es nicht schon vorher so war. Ein Zeitalter in der die GEMA-Kosten die Produktionskosten von CD-Pressungen in den Schatten stellen werden. Ein Zeitalter, in dem die GEMA-Gebühren pro USB-Stick (40 ct pro GB!) die Herstellungskosten überholen. Ein Zeitalter, in dem eine zentrale Institution überwachen wird, was wir hören und womit wir es abspielen. (Es wird auch das Zeitalter der Rundfunksteuer, die wir nicht mehr pro Gerät, sondern pro Kopf zahlen. In einer Zeit, wo keiner mehr Rundfunk braucht…., aber das ist noch eine andere Geschichte.)

2013 wird das Jahr, in dem die Clubs sterben. Jede Kultureinrichtung, die nicht von Almosenverteilern auserkoren wurde und die nicht nebenbei Drogen vercheckt oder Alkoholiker produziert, steht vor dem Aus. Jeder noch so freie Jugendclub e.V. oder jedes ach so alternative Zentrum ist jetzt schon auf Gedeih und Verderb einer Illegalität, einer Duldung oder einer Finanzierung von außen ausgeliefert. Es gibt ihn längst nicht mehr, den Raum für freie Kunst und Musik. Und die Clubs, in denen ich derzeit noch auflege, wird es 2013 alle nicht mehr geben. Es sei denn, jemand erinnert sich, wie die das damals mit dem Stasi-Hauptquartier gemacht haben…

Musik war mein Leben. Ich habe wohl 1000 Rezensionen für Tonträger geschrieben und Hunderte Interviews geführt. Ich habe Bands zu mir auf die Bühne eingeladen, weil sie mir gefielen und sie auf eigenes Risiko einem Publikum vorgestellt. Ich habe Internetmagazine mit mehreren GB Inhalten, mit Tausenden Besuchern pro Tag kosten- und werbefrei der Welt angeboten. Ich war 20 Jahre lang im Dienst dieser Sache unterwegs. Für die Musik. Für die Szene. “Für die Liebe, für die Kunst “:-)

Ich bin DJ und ich liebte diese Arbeit. Ja, ich opferte mich regelrecht auf. DJ war und ist aber ein Knochenjob. Bis auf ein paar wenige Menschen, die damit für eine kurze Zeit in ihrem jeweiligen Musikgenre berühmt wurden, ist er auch schon immer schlecht bezahlt gewesen. Ebenso, wie die Tätigkeit eines Musikjournalisten.

Seit die eigene Platten- und CD-Sammlung keinen Wert mehr hat und im Grunde jeder, der nicht tanzen will und trotzdem zur Party geht, sich DJ nennt, ist dieser Job ungefähr so bezahlt, wie Putzen, Kinderhüten oder Gurkenernten ohne Arbeitserlaubnis. Und gerade in den Independent-Szenen war sowieso nie viel zu holen. Fakt ist, dass ich 20 Jahre als Künstler und Journalist wirklich viel für Kunst und Kultur beigetragen habe. Ich habe Bands groß gemacht, sie immer und immer wieder gespielt, sie unterstützt, weil sie mir gefielen, ich habe vielen Menschen zu ihrer Lieblingsmusik verholfen. Ich habe ganz viele Menschen Nacht für Nacht glücklich gemacht  – und Ordnungsämter, Vermieter, GEZ, GEMA, KSK- und wernichnochalles haben die Hand aufgehalten. Das ist Zuhälterei – in Anbetracht dessen, was da mittlerweile an Geld fließt und was schlussendlich bei denen hängenbleibt, die dafür arbeiten. Musiker eingeschlossen. Denn wenn man mal mit ansieht, was Musikanten von diesen Halsabschneidern ausgezahlt bekommen, fragt man sich, wo die das ganze Geld eigentlich bunkern.

Ich bin Idealist und ich weiß, dass es eine ganze Menge solcher Leute gibt. – Die alle genau so pleite sind wie ich. Nicht, weil sie verschwenderisch gelebt haben, sondern weil sie sich mit Haut und Haaren einer Sache verschrieben hatten, für die sie brennen wollten. Aber leider gilt es in unserer Gesellschaft als naiv und gefährlich, wenn man brennt, wenn man hinter dem Sinn, dem Inhalt, “der Seele” einer Sache steht und diese Arbeit für die Sache auch mal über die Wirtschaftlichkeit stellt. Das heißt nämlich nicht, dass man grundsätzlich Dinge tut, die vor den Baum gehen, sondern dass man, so lange man die Kraft hat, auch Dinge tut, die sich nicht rechnen. Die meisten Menschen, die kein Geld haben und Dinge bewegen, müssen sehr genau kalkulieren. Denn sie bekommen keinen Kredit und können auch kein Geld verbrennen, was ihnen nicht gehört. Es gibt Opern, Kulturzentren und Theater, die mit über 100,- € pro Sitzplatz, pro Vorstellung vom Staat gestützt werden. Es gibt regelrechte Kurse darüber, wie man an Fördergelder kommt, wie man wen belügen muss und wie man sich wo einkauft, ohne dass es nach Einkaufen aussieht.

Die DJs und Kleinveranstalter haben keine Lobby und eine Konzertveranstaltung ist, egal wie solide man wirtschaftlich kalkuliert und wie professionell man es durchzieht, immer ein Lottoschein, den man ausfüllt. Die Chance, dabei nicht draufzulegen, wurde seit der Jahrtausendwende auf Grund von explodierenden Abgaben und Kosten immer kleiner.

Ebenso verhält es sich jetzt, mit den neuen Forderungen der GEMA, auch mit sogenannten Tanzveranstaltungen. Sie werden ab 2013 in einem für mich akzeptablen Rahmen nicht mehr realisierbar sein. Wenn man über 3/4 seiner Grundfläche mit zahlendem Publikum zustellen muss, um die Musik anmachen zu  können und wenn sich davon die Hälfte wirklich zusaufen muss, damit man die anderen Rechnungen bezahlen kann, dann ist eine Grenze erreicht, die ich nicht überschreiten werde. Ich finde Ballermann Parties abstoßend und ich bin es leid, ständig zu sehen, wie Unsummen hin- und hergeschaufelt werden und alle Beteiligten zu wenig bekommen, um überleben zu können. Wir sind längst erfolgsabhängig geworden. Die Künstler gehen drauf oder hängen an einem Tropf, der ihnen schlussendlich auch die Inhalte ihrer Kunst vorschreibt. Der Staat fördert nämlich keine Inhalte, die ihm nicht gefallen und Wirtschaftsunternehmen bevorschussen auch nur noch Dinge, die sich im großen Stil verkaufen lassen.

Die Kunst wird in Deutschland längst schon reglementiert und gesteuert. Die neuen GEMA-Tarife sind nur ein weiterer Schritt in die totale Kontrolle. Und der Protest gegen die Gebührenerhöhung 2013 ist einfach nur ein Witz. Diese Petition ist lächerlich und wird nichts verändern. Den hier verlangt ein Monopolist 1000% um 500% zu bekommen. Niemand will eine “vernünftige” Reform.

Es darf gar keine Erhöhung mehr geben, weil sie keiner mehr bezahlen kann, weil alle bei der “Verwertung” von Musik weniger verdienen. Es darf keine “GEMA Vermutung” mehr geben, die besagt, dass man die GEMAfreiheit eines Liedes beweisen muss, wenn man es jemanden vorspielt.  Weil niemand beweisen kann, dass es etwas nicht gibt. Und weil die Menge GEMAfreier Musik rasant wächst. Und die GEMA muss erstmal ihren Verteilerschlüssel offenlegen und reformieren. Wer flächendeckend zulangt, sollte auch flächendeckend ausschütten.

Es darf nicht sein, dass alle Geräuschemacherei im öffentlichen Raum zuvor detailiert beantragt werden muss.  Wer zahlt, zahlt nicht an die Künstler die er spielt und wer nicht zahlt und sich auf Gemafreie Musik beschränken will, muss Titellisten (inkl. “Klarnamen” der Komponisten, Texter und Interpreten) einreichen.

Nieder mit der GEMA Vermutung! und Nieder mit der Tariferhöhung! Und wenn das eben nicht passiert, dann… ach schaut euch doch mal diese historischen Aufnahmen an, was man früher, also nicht ganz früher, sondern 1989 mit solchen Institutionen gemacht hat…

Ja, das ist kriminell: 2013 will die GEMA bei einem Eintritt von 5 EUR pro Person in eine Diskothek von nur 250 qm … 321,00 € Netto. Pro Veranstaltung.

Clubs die 1x wöchentlich öffnen, zahlen dann 1300 € GEMA netto monatlich. Und ein Club dieser Größe, der Freitag und Samstag Party machen möchte,  würde im Jahr über 35 000 EUR GEMA zahlen. Natürlich unabhängig davon, wie viele Menschen zur Party kommen.

Und Clubs, die die Frechheit besitzen, täglich offen zu haben, um sich den gegenwärtigen Gebührenwahnsinn leisten zu können, zahlen dann adäquat pro Veranstaltung diese Wucherbeträge, die sie natürlich auf die Getränke umschlagen müssten, weil eine Eintrittpreiserhöhung die Gebühren weiter in die Höhe treibt. Hinzu kommen Miete und Nebenkosten. Soviel könnt ihr gar nicht saufen! Also wehrt euch gefälligst. Und hört endlich mit diesem Empören auf, das ist einfach nur lächerlich.

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